Kann bitte jemand dem Pfalzbau eine neue Website machen?

Als ich gestern Abend über einen Facebook-Beitrag der MRN News (Metropolregion Rhein-Neckar) darauf aufmerksam wurde, dass das Theater im Pfalzbau (Ludwigshafen) im September ein neues Musical launcht – und zwar »Du bist in Ordnung, Charlie Brown« – da wurde ich ganz aufgeregt, da ich sowohl Musicals als auch die Peanuts sehr gerne mag.

Als ich heute nun motiviert Tickets kaufen wollte, endete das Ganze in einem sehr frustreichen Erlebnis.

Ich hatte gestern am Smartphone schon festgestellt, dass die Website leider nicht responsive ist, also klickte ich mir eben am MacBook via Google die URL von ludwigshafen-pfalzbau.de zusammen, um Tickets zu buchen. Leichter gesagt als getan.

Ich fand nirgends einen richtigen Spielplan, über den Button »Veranstaltungen« waren dann aber einige Aufführungen gelistet, darunter Charlie Brown. Jedoch gibt es kein Ticketsystem zum Karten buchen. Lediglich eine Telefonnummer (heute, da Sonntag, leider nicht besetzt1) und eine E-Mail-Adresse. Okay. Die Digitalisierung ist in Ludwigshafen wohl noch nicht vollständig angekommen, denke ich mir, und schreibe eine E-Mail.

Wenig später erreicht mich auch schon eine automatische Antwort, in der drin steht, dass man sich so schnell wie möglich um mein Anliegen kümmern wird. Dachte ich. Tatsächlich steht in der E-Mail jedoch:

Sehr geehrte Theaterkunden, die Theaterkasse im Pfalzbau hat Sommerpause – wir sind ab 01.09.2017 wieder für Sie da. Ihre E-Mail wird nicht weitergeleitet.

Äh, was? Aber wie soll ich denn dann ins Theater kommen? Ich bin schon leicht angefressen als ich im unteren Teil der E-Mail lese, dass man seine Karten während der Sommerpause über das Online-Eventportal Vibus erwerben kann. Na dann.

Ich klicke mich auf der Website von Vibus also zum gewünschten Event durch. Die Website ist leider noch unintuitiver als die des Pfalzbaus. Ich bin nun schon etwa fünf Minuten auf der Landingpage meiner ersehnten Aufführung, finde aber nirgendwo einen »Hier Tickets kaufen« oder »Jetzt Karten reservieren« oder Was-auch-immer-Conversion-generierenden-Link. Meine Laune sinkt immer weiter, bis ich irgendwann aus Frust jedes Element versuche anzuklicken, das auf der Page vorhanden ist. Sieh an. Unter dem nicht-als-Link-gekennzeichneten Hinweistext, dass es keine grafische Platzwahl, sondern nur eine automatische Sitzplatzverteilung gibt, verbirgt sich ein Link.

Okay, weiter gehts. Ich klicke mir zwei Karten zusammen und möchte auschecken. Das geht nur als registrierter Kunde. Von mir aus. Ich lege mir also brav ein Kundenkonto an. Das System schmeißt mir diverse Fehlermeldungen entgegen, da ich mehrere Pflichtfelder nicht ausgefüllt habe, die nicht als Pflichtfeld gekennzeichnet waren. Mein Puls bewegt sich in Richtung HB-Männchen. Nachdem ich schließlich alles ausgefüllt habe, weist mich das System darauf hin, dass es bereis einen Nutzer mit meiner E-Mailadresse gibt. Woat? Ich habe mich schon einmal durch dieses System gequält? Das muss so lange her und darüber hinausgehend traumatisch gewesen sein, dass ich mich nicht daran erinnern kann. Weiter geht es also über das »Passwort vergessen«-Menü. Als ich schließlich eingeloggt bin, treibt mich die Neugier in meine Bestellhistorie – das letzte Mal als ich im Theater im Pfalzbau war, muss in der Oberstufe gewesen sein. Die Bestellhistorie ist allerdings leer. Danke auch.

Zurück zum Warenkorb. Ich klicke mich durch und werde darauf hingewiesen, dass es sich um ein »Print at Home«-Ticket handelt. Kein Problem. Ich mache den Drucker schon einmal an. Äußerst positiv überrascht stelle ich fest, dass man mit PayPal bezahlen kann.

Die Freude verfliegt unmittelbar wieder als ich feststelle, dass mich dies 2,20 € Gebühr kostet. ZWEI EURO ZWANZIG? Bitte was?! Grantig wähle ich stattdessen Vorkasse, richte mir mein TAN-Generator und zerre entnervt meine EC-Karte aus dem Geldbeutel.

Der Einkauf ist gleich endlich geschafft, als mir das Webportal offenbart, dass ich zusätzlich 3,00 € an Porto zu zahlen habe. Äh, bitte was? Was ist denn aus »Print at Home« geworden? Also ich möchte gerne lieber zuhause drucken. Mein Drucker wäre startklar. Geht nicht, nein. Okay. Reservieren könnte man die Karten auch. Aber man muss sie dann schon VORHER an der Theaterkasse abholen, nicht erst am Abend der Aufführung.

Ich habe wirklich keinen Bock mehr und mein Puls ist inwischen auf Kurz-vor-Hulk. Mein Freund verzieht sich ins Nachbarzimmer.

Ich schließe den Kaufvorgang ab und erhalte eine E-Mail mit den genauen Bankdaten. Man müsse allerdings sehr exakt Kundennummer, Bestellnummer, Name blablabla Blutgruppe und Fingerabdrücke dazu schreiben, da es sich um das Konto der Stadt Ludwigshafen handele und man die Bezahlung sonst nicht zuweisen könne. Aha. Gönnt man euch kein eigenes Konto?

So, ich schließe die Überweisung ab und bin froh, dass das Theaterstück erst in sechs Wochen ist. Aktuell dominiert nämlich der Impuls, dem Pfalzbau ans Schienbein zu treten, anstatt mich entspannt-eurphorisch und mucksmäuschenstill ins Publikum zu setzen.

Im Nachhinein stelle ich fest, dass ich vorhin gar nicht auf der Website des Theaters im Pfalzbau war, sondern nur auf der des Pfalzbau Ludwigshafen. Auf der richtigen Theaterseite hätte es tatsächlich einen Spielplan gegeben. Ich bin mir relativ sicher, dass diese Verwechslung der Tatsache geschuldet ist, dass es ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, die beiden Websites so zu gestalten, dass der potentielle Käufer (und Google) weiß, wohin er muss und möchte, um sein Ziel zu erreichen.

Ich hole mir jetzt mein Ausmalbuch und male ein Mandala aus.

  1. Sind die sonntags nicht eh da wegen der Aufführungen?

Gestatten, ich bin π, gesprochen: Pi. Allerdings zeitweise, wahlweise und Filterblasen-abhängig auch Friedi, Frieda oder gar Friederike. Geboren anno 1988 und aktuell in der Pfalz residierend. Beruflich beschäftige ich mich mit Pixeln, Papier und PR.

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