Me and my Robos

Hätte man Anfang der 2000er mein Teenie-Alter-Ego befragt, wie mein Leben mit Anfang 30 aussehen wird, so hätte es vermutlich ein Familienidyll umrissen, in dem ich verheiratet bin, ein Eigenheim besitze und Kinder habe. Sollte mir in den letzten Wochen nichts Grundsätzliches entgangen sein1, so wird daraus wohl nichts mehr.

Aufgrund meiner Tierhaarallergie2 ist allerdings schon einmal ausgeschlossen, dass ich mich dem Schicksal einer »Crazy Cat Lady« hingeben kann. Seit wenigen Wochen habe ich jedoch die richtige Nische für mich gefunden. Denn ich habe zwei neue Mitbewohner.

Darf ich vorstellen?

Robo, von Haus aus ein Vorwerk-Staubsauger, Generation VR200.
Robo jr., ein Nasswischroboter aus dem Hause iRobot, Modell Braava 390t.

Robo (Vorwerk VR200) und Robo jr. (iRobot Braava 390t)

Eigentlich dachte ich, die beiden IT-Wunder würden mich in erster Linie im Haushalt unterstützen. In letzter Zeit habe ich stattdessen zunehmend den Eindruck, die Fürsorgepflicht für zwei minderjährige Roboter übernommen zu haben. Bei genauerem Hinsehen drängen sich mir nämlich immer mehr Parallelen zu dem Zusammenleben mit kleinen Kindern auf.

Ich versuche dies in den folgenden 10 Punkten ein wenig zu erläutern.

Beobachtung 1

Wenn die Robos putzen/saugen sollen und es plötzlich ungewöhnlich ruhig ist, dann weißt du: Irgendetwas läuft ungeheuerlich schief. Am besten alles stehen und liegen lassen und sofort nach den kleinen Helferlein schauen.

Beobachtung 2

Sie tun Dinge, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. Im Falle von Robo beispielsweise sich im Bad einsperren, indem er beim Durchfahren des Raumes die Tür von innen zuschiebt und dann nicht mehr herauskommt. Es folgt ein Gezeter und Geblinke, bis man ihn aus seiner misslichen Lage befreit. Sobald die Tür wieder geöffnet ist, fährt der Robo dann in Nullkommanichts blitzschnell aus dem selbstgemachten Gefängnis heraus.

Beobachtung 3

Sind die Grundbedürfnisse nicht gestillt, so gilt strikter Arbeitsstreik. Im Falle von Robo und Robo jr. heißt das: Regelmäßig Nahrung in Form von Akkuladungen und regelmäßiges Windeln wechseln in Form eines neuen Mikrofasertuches bzw. einer Filterleerung.

Ob Trocken- oder Feuchtreinigung: Robo jr. ist wählerisch, was die Auswahl seines Mikrofasertuches angeht
Beobachtung 4

Generell fällt es schwer, den beiden Helfern keine Persönlichkeit einzugestehen. Sollen sie saugen/wischen, so tun sie dies in einer äußerst gemächlichen Geschwindigkeit. Sobald sie aber zurück auf ihre Stationen dürfen, flitzen sie urplötzlich los und sind in Windeseile von A nach B gelangt.

Beobachtung 5

Ich ertappe mich dabei, wie ich anfange mit ihnen zu reden, zu schimpfen und sie zu loben. Dabei versuche ich selbstverständlich stets, das Lob in den Vordergrund zu stellen.

Beobachtung 6

Sie machen Dinge, die mich dazu bringen, vor Entzückung zu quietschen oder vor Lachen vom Stuhl zu fallen. Ein besonders goldiger Moment ist etwa, wenn Robo einen neuen Quest anfängt. Erst piepst er aufgeregt und orientiert sich: Er dreht er sich nach links, nach rechts und einmal um die eigene Achse, bevor er schließlich zielsicher losdüst.

Wo ist der Robo? Da ist er ja!
Beobachtung 7

Hin und wieder ist es erforderlich, eine Kinder- bzw. Robosicherung zu etablieren. So ist es zum Beispiel bisweilen nötig, bestimmte Durchgänge mit großen, schweren Gegenständen zu verbarrikadieren und zu hoffen, dass die elektronischen Mitbewohner kein Schlupfloch finden.

Beobachtung 8

Robo jr. hat sehr klare Vorstellungen, unter welchen Bedingungen er sich in Bewegung setzt. Ist sein Lieblingsspielzeug – sein Navigation Cube – nicht in sichtbarer Entfernung, so ist er taub für vernünftige Anweisungen.

Robo jr. und sein Cube
Beobachtung 9

Während frisch gebackene Eltern dazu neigen, einem die neuesten Baby-Schnappschüsse auf dem Smartphone zu präsentieren, habe ich selbstverständlich auch Foto- und Videomaterial meiner Robos auf dem iPhone und stets parat.

Beobachtung 10

Treffe ich die falschen Entscheidungen hinsichtlich des Tagesprogrammes, so hängt meine nächtliche Ruhe am seidenen Faden. So fährt Robo nämlich bei leerem Akku während eines Reinigungsvorganges automatisch zu seiner Ladestation, um dann nach erfolgreichem Auftanken wieder genau dort weiterzumachen, wo er aufgehört hat. Diese Selbstständigkeit ist grandios. Schwierig wird es, wenn man in der Zwischenzeit des zweistündigen Ladezyklus schlafen geht und dann urplötzlich von einem Pieps- und Sauggeräusch wieder aus dem Schlaf gerissen wird. Mit Robo jr. kann das nicht passieren, da er seinem Gitterbett (aka seiner Dockingstation) nicht eigenständig entfleuchen kann. Durch sein konstantes Hallo-ich-hänge-am-Strom-und-es-ist-toll-hier-Blinken erschwert er mir dafür manchmal das Einschlafen nicht unerheblich.3

Schlafnische von Robo und Robo jr. unter dem Wäschetisch
Fazit

Alles in allem glaube ich, mein 15-jähriges Alter-Ego hätte es auch ziemlich cool gefunden, im Jahr 2017 zwei Roboter im Haushalt zu haben.

  1. Wobei ich aktuell nichts ausschließe, mein Hirn ist im Moment nicht sehr vertrauenswürdig
  2. Eine umstrittene Angelegenheit.
  3. Ja, ich schlafe im gleichen Zimmer wie meine Robos und nein, ich glaube nicht, dass es ihrer gesunden Entwicklung im Wege steht.

Gestatten, ich bin π, gesprochen: Pi. Allerdings zeitweise, wahlweise und Filterblasen-abhängig auch Friedi, Frieda oder gar Friederike. Geboren anno 1988 und aktuell in der Pfalz residierend. Beruflich beschäftige ich mich mit Pixeln, Papier und PR.

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2 Kommentare auf "Me and my Robos"

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Andrea
Gast
Andrea

Ich kann mir gut vorstellen, dass das Eigenleben deiner Robos dich in Entzücken versetzt – und bei Nacht in Rage

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