Speedy Pi

Ich fahre nicht gerne Auto. Autos sind laut, machen Dreck, nehmen Platz weg und sind blöd zu mir, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin.

Bisher ging das auch alles soweit ganz gut ohne Auto. In Kaiserslautern kann ich meine üblichen Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad meistern. Und an meinen vorherigen Wohnorten konnte man sich darüber hinaus auf einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr verlassen.

In Mainz war es tatsächlich so, dass es hipp war, bewusst kein eigenes Auto zu haben. Ein Statement zu setzen! Dort gibt es so coole Aktionen wie den PARK(ing) Day, bei dem für einen Tag lang Parkplätze in der Innenstadt mit Rollrasen und Campingstühlen okkupiert werden, um aufzuzeigen, wie sich ein Stadtbild mit mehr Natur und weniger Autos zum Positiven wenden kann.

In Kaiserslautern dagegen ernte ich seit Jahren ungläubige Blicke, wenn zur Sprache kommt, dass ich kein Auto besitze. Das liegt wohl auch daran, dass es zunehmend kompliziert wird, wenn man die üblichen Fußwege verlässt. In meiner alten Wohnung, direkt im »Centrum« der Stadt, gab es für diese Situationen einen guten Hack: Direkt ums Eck gab es Autos von Stadtmobil, dem hiesigen Carsharing-Anbieter. Mit etwas Glück konnte man dort auf Wunsch einen smoothen Ford Focus, einen soweit akzeptablen Ford Fiesta oder einen sehr klapprigen, aber durchaus geräumigen Renault Kangoo ergattern und die Nutzungsdauer halbstündlich abrechnen lassen.

Soweit die Lage bis vor einem Jahr. Denn in der Gegend unserer neuen Wohnung gibt es weit und breit keine Stadtmobil-Wagen. Dafür gibt es mehr Regen. Jedenfalls fühlt es sich so an, denn oft genug bin ich – die inzwischen weiteren Strecken – im Regen heimgeradelt oder habe auf Kosten der Pünktlichkeit kurzfristig auf Laufen umgeschwenkt. Darüber hinaus nahmen meine Termine jenseits der Innenstadt zu und generell wurde alles kompliziert und frustrierend. Es fiel mir daher immer leichter, mich so langsam vom hippen Gedanken einer autofreien Zeit zu verabschieden und anzufangen mich auf eine Zeit mobiler Flexibilität zu freuen.

Die Autosuche konnte beginnen! Eines vorweg: Ich bin inzwischen stolzer Besitzer des schönsten und coolsten und tollsten Autos überhaupt …! Wie absurd für die Lautrer aber offenbar ein Mitbürger ohne Auto ist, wurde mir erst klar, als ich versuchte ohne Auto zur städtischen KFZ-Zulassungsstelle zu gelangen. Zu dieser Geschichte werde ich vielleicht irgendwann mal einen gesonderten Blogbeitrag verfassen.

Adoptiert habe ich meinen Wagen letztlich in einem Autohaus in Hessen, denn hier gab es irgendwie keine freundlichen Autohändler – ein Kapitel für sich. Unsere erste gemeinsame Fahrt zog sich also gleich über 100 km und ehrlich gesagt war es die reinste Horrorfahrt: Dunkel. Nass. Viele Spuren. Viele Autos. Fremde Strecke. Fremdes Auto. Und naja, wie gesagt fahre ich schon bei Sonnenschein ungern Auto.

Inzwischen haben wir uns ein bisschen eingefahren und aneinander gewöhnt. Wir ziehen mittlerweile gekonnt Parkscheine via Handy-Parking-Apps und finden das ein oder andere Ziel mehr oder weniger souverän auch ohne Navi. Der Berganfahrassistent ist ein Traum, solange man zeitgleich beim Beschleunigen nicht im Rückwärtsgang ist. Ich habe immer noch den Eindruck, dass ich dank der getönten Scheiben bei Nacht hintenraus einfach mal gar nichts sehe. Zum Trost dafür mache ich dann meine obercoole rote Innenbeleuchtung an und freue mich daran.

Mein Auto ist nämlich ein super cooler Seat Leon FR. Das FR steht für »Formula Racing« und jetzt flitzen wir gemeinsam über die Landstraßen. Als Aufpasser baumelt ein kleiner Totoro aus Plüsch am Rückspiegel. Ich fahre nämlich auch nicht gerne alleine Auto.

Werthern, Gilead und die Glasmenagerie

Seit ich in Kaiserslautern wohne habe ich erfreulicherweise wieder einen regelmäßigen Draht zu einer Freundin aus der Schule. Lieschen1 und ich teilten in der Oberstufe in einigen Kursen Freud und Leid. Insbesondere der gemeinsame Englisch-LK hat uns nachhaltig geprägt, sodass wir noch heute – mehr als zehn Jahre später – mit einem gequälten Lächeln Insider-Floskeln in Gespräche einfließen lassen.

Aktuell haben wir offenbar den Impuls, uns besonders kulturell interessiert zu zeigen, jedenfalls haben wir im Herbst 2018 zur neuen Spielzeit im Heftchen des Kaiserslauterer Pfalztheaters bekannte Stücke entdeckt und beschlossen, wieder einmal einen Fuß über die Türschwelle des Theaters zu setzen. Nun ja.

Lautrer Schwellenhüter

Erinnert ihr euch an meine verzweifelten Versuche, beim Pfalzbau in Ludwigshafen online Theaterkarten zu kaufen …? Wie soll ich sagen: Das Kaiserslauterer Pfalztheater möchte damit offenbar in Konkurrenz treten. Der Kartenvorverkauf des hiesigen Theaters beginnt zwei Monate im Voraus. Wir hatten uns zwei Stücke herausgesucht und bei sämtlichen Terminen direkt am Tag des Vorverkaufs angerufen. Auf der Website gibt es auch einen Knopf zum Onlinekauf, aber der erscheint nur manchmal, nur auf manchen Seiten und alles ist sehr, sehr seltsam. Doch auch die Telefonate erwiesen sich als höchst erfolglos. Denn die meisten Termine waren generell für Schulklassen geblockt oder mysteriöserweise direkt ausverkauft. Nach ein paar Wochen großer Frustration hatten wir den Eindruck, dass das Theater gar nicht möchte, dass wir kommen. Glücklicherweise haben wir nicht aufgegeben und letztlich Karten für 2019 ergattert.

Die Leiden des jungen Werther

Anfang Januar war es soweit: Werther! Ich liebe Werther. In der Schule war ich mit meiner Zuneigung zu der autobiografisch angelegten Figur des Herrn von und zu Goethe relativ alleine. Die Bühnenadaption sollte auf der Werkstattbühne aufgeführt werden, also alles etwas kleiner, familiärer und experimenteller als im Großen Haus. Und geheimnisvoller. Leider gibt es online nirgends eine Angabe zum Einlass. Nachdem Lieschen und ich vergeblich recherchiert hatten, wurden wir an der Theaterkasse aufgeklärt: 60 Minuten vor Beginn ist Einlass.

Etwas mehr als eine Stunde vor Beginn standen wir also motiviert auf dem etwas versteckten Eingang der Werkstattbühne – wir wollten ja einen guten Platz ergattern, denn feste Sitzplätze gibt es hier nicht. Leider war das Gebäude verschlossen und außer uns weit und breit keine Theaterbesucher in Sicht. Der Spaziergang zum Großen Haus bestätigte die 60 Minuten, sodass wir uns die Zeit bis zum Einlass noch mit dem Versuch vertrödelten, nicht zu erfrieren. Um 17.30 Uhr endlich die Erlösung: Das Gebäude wird aufgeschlossen. Wir sind etwas irritiert, denn außer uns und dem Garderobendienst (der darüber diskutiert, wer von beiden wohl weniger Lust auf Arbeit hat) ist immer noch keine Menschenseele in Sicht und der Saal ist geschlossen. Der geübte Theatergänger scheint das zu wissen, denn wenige Minuten vor Saalöffnung (30 Minuten vor Beginn!) füllt sich das kleine Foyer plötzlich.

Werther. Drei Schauspieler, die in der Inszenierung die Handlung transportieren. Im Nachhinein frage ich mich, ob man die Charaktere überhaupt versteht, wenn man den Briefroman nicht selbst gelesen hat.

Es ist wie bei einem Lieblingsessen, bei dem eine Zutat ausgetauscht wurde; beziehungsweise drei. Albert war mir ja schon immer unsympathisch, aber plötzlich denke ich mir hinsichtlich meines Lieblingsprotagonisten: »Du meine Güte, nun erteilt ihm doch bitte endlich Hausverbot.« Werther ist ein Psychopath. Seine Leidenschaft ist manisch. Er ist nicht liebenswert. Er ist nicht verliebt. Er ist creepy. Er ist ein Stalker. Und das liegt nicht nur an ihm, denn auch Lotte trägt ihren Teil dazu bei. Sobald Albert aufkreuzt, lässt sie Werther wie eine heiße Kartoffel fallen, schließt ihn aus und ist regelrecht genervt von seinen Avancen.

Wir verlassen das Theater wieder und ich bin super frustriert ob der unsympathischen Charaktere. Lieschen findet: Sie habe noch kein Theaterstück gesehen, bei dem ihr die Protagonisten sympathisch erschienen seien. Hoppla. Wieso ist das so? Weil sie toben und schreien? Weil sie zugespitzt werden auf ihre Extremen? Sind wir durch Filme und Serien mit subtiler Gestik und erklärenden Rückblenden verwöhnt?

Was ich im Kino außerdem schätze: Sehr selten verspürt im Film jemand den Drang, mit dem Publikum zu interagieren und somit die vierte Wand zu durchbrechen. Werther inmitten des Stücks zu Theaterbesuchern in der letzten Reihe: »So weit hinten diesmal, was? Da müssen Sie nächstes Mal eine halbe Stunde früher kommen, dann können Sie auch vorne sitzen.«

The Handmaid’s Tale

Bis zum nächsten Theaterstück werden noch ein paar Wochen ins Land ziehen, aber inzwischen gibt es die zweite Staffel von Handmaid’s Tale auf Amazon Video. Durch den dystopischen Roman von Margaret Atwood habe ich mich in der Oberstufe regelrecht quälen müssen. Trotzdem haben Lieschen und ich uns an die Serienverfilmung gewagt. Ich merke, dass ich von diesem schrecklichen Buch schon richtig viel verdrängt habe – jedenfalls antworte ich auf sämtliche Anmerkungen, Rückfragen und Buchvergleiche von Lieschen mit: »Ähhh … keine Ahnung!« Ich weiß auch gar nicht so genau, wieso wir uns das jetzt noch einmal antun. Aber irgendwie fesselt die Serie. Man fiebert mit. Man ist entsetzt. Man ist enttäuscht. Man hofft. Und irgendwie fängt man an, politischer zu denken. Und jetzt warten wir mit mulmigem Gefühl auf Staffel drei.

Die Glasmenagerie

Tennessee Williams! Im Februar ist es soweit und die Glasmenagerie im Pfalztheater steht an. Ich freue mich schon, denn ich mochte das Theaterstück in Schriftform sehr gerne. Trotzdem weiß ich nicht mehr allzu viel. Lieschen und ich lesen sicherheitshalber vorab eine Zusammenfassung  und fühlen uns gewappnet.

Als echte Werkstattbühnen-Kenner schlendern wir pünktlich zur Saalöffnung (nicht etwa zur Gebäudeöffnung) in das Foyer. Die anschließende Platzsuche erfolgt einem komplizierten Algorithmus, der sicherstellen soll, dass wir diesmal nicht in die Handlung einbezogen werden. Das Stück beginnt – diesmal müssen wir kein »Zählens« mit Lotte spielen. Die vier wunderbaren Schauspieler nehmen uns mit in die Welt der Familie Wingfield. Natürlich mit vielen Live-Videoprojektionen, das scheint inzwischen zum guten Ton dazuzugehören. Und das Stück endet – ganz ohne Publikumsinteraktion. Lieschen und ich nicken uns zufrieden zu. Ich kann diesmal nicht meckern. Auch wenn ich heilfroh bin, nicht im Haushalt Wingfield zu leben, so fangen die Schauspieler doch sehr treffend die Charaktere des Stücks ein und transportieren ihre Lebens- und Leidensgeschichte.

Habe ich es mir zu leicht gemacht? Etwa meine Erwartungen heruntergeschraubt oder das Theaterstück einfach nicht mehr so deutlich vor Augen gehabt wie die Handlung meines lieben Werthers?

Was das betrifft: Mein Lieblingsmensch und ich haben gestern den Keller ausgemistet. Dabei habe ich mich dazu durchgerungen, meine Ordner aus der Oberstufe zu entsorgen. Fast alle jedenfalls. Einer der Englisch-Ordner liegt jetzt auf meinem Schreibtisch. Darin ist nämlich ein Theaterstück abgedruckt, das ich nochmal lesen muss.

  1. Vorname aufgrund einer hochgradigen Allergie gegen digitale Daten entfremdet. Echter Name der Redaktion bekannt.

Alltagsblüten (6)

Niels und Isa gucken zu Pi und tuscheln.
Pi: (kritisch): Was?
Niels: Du hast einen Eulen-Schal!
Pi: Ja …?
Niels: Wir mögen Eulen.


Pi: Mein neues MacBook heißt Festus! Benannt nach Leos Drache.
Marco: Äh?
Pi: Der Metall-Drache aus der Hephaistos-Hütte! Am Bug der Argo II!!
Marco: Ich verstehe kein Wort von dem, was du sagst!!


Marco, am Klavier, ein neues Disneylied übend.
Marco: (murmelt vor sich hin) Was? … Ist das dein Ernst, Alan Menken?


Beim Umzug.
Dennis: Die erste Wohnung war anstrengend, aber bei der zweiten Wohnung ging es ganz schnell. Alle Kartons waren schon runtergetragen!
Ramona: (leicht gereizt) Was meinst du denn, wie die da runtergekommen sind …?


Christina: Ich hatte heute was Kurioses. Ich war beim Arzt und die Arzthelferin meinte ich müsse noch die Datenschutzerklärung unterschreiben. Dann hielt sie mir meine Patientenakte vor die Nase, auf dem handschriftlich einfach »DSGVO« stand und meinte, ich solle rechts daneben unterschreiben.


DHL-Mensch gibt Pi im Büro ein Paket ab. Guckt auf den Nachnamen.
Paketbote: Haben Sie mal in der Riwastraße gewohnt?
Pi: Ähhh ja, bis kürzlich.
Paketbote: Ja, gell? Ich habe da manchmal Nachsendeaufträge. Ihre Nachmieter bestellen so viel!! Ich muss immer ganz hoch laufen!


Marco: (verratzt) Ich stehe jetzt auf. Und dann esse ich was. Und dann .. habe ich was gegessen.

Umzug: Zwischenbilanz

Das Einzugsdatum in unsere neue Wohnung liegt inzwischen schon 13 Wochen zurück 😱 und die ganze Zeit scharre ich mit den Füßen und will einen Wir-sind-umgezogen-und-alles-ist-toll-Posting absetzen. Aber dann ist da immer noch so viel unfertig.

Vor wenigen Tagen haben wir wenigstens die letzte Kiste ausgeräumt und das muss nun als Anlass zu einem Zwischenstand reichen.

»Wo ziehen Sie denn hin? Nach Südamerika?«
Mein Chef

Zum Unverständnis von Chefs und Kollegen hatten wir uns für den Umzug zwei Wochen Urlaub genommen. Schließlich mussten wir insgesamt rund 140 qm ausräumen, einpacken, transportieren, wieder einräumen und dazwischen noch zwei Wohnungen übergabefertig machen und eine Wohnung einziehfertig vorbereiten.

Und weil ich immer das Gefühl habe mich rechtfertigen zu müssen, habe ich angefangen, ein paar Daten und Fakten zu sammeln, was wir in den letzten Wochen eigentlich alles gewuppt haben.

Checkliste Umzug

Sozial anerkannter Zeitrahmen für Umsetzung: 1 Wochenende

1,6 t
IKEA-Lieferung

30–40
IKEA-Besuche

9
Gestrichene Wände

10
Aufgebaute Billy-Bücherregale

5,5 m
PAX mit 27 Regalfächern, 23 Schubladen und 7 Kleiderstangen

130
Umzugskisten à ca. 15 kg

10
Fahrten zu Wertstoffhöfen

19
eBay-Verkäufe

> 40
Dinge über »Free Your Stuff« in neue Hände gegeben

6,5 m
Gesamtlänge an Holzplatten-werden-zu-Schreibtisch-Wunder

15
Grandiose Helfer/innen

25
Gänge zum Baumarkt

21
Aufgebaute Bestå-Schränke

2
Ladungen Kisten an das Sozialkaufhaus

30
Küchenelemente mit 27 Regalfächern und 18 Schubladen

Ohne unsere tollen und fleißigen und engagierten und genialen Umzugshelfer und -helferinnen wäre das alles nicht so schnell und reibungslos gelaufen! ❤❤❤

Speditionslieferung Nr. 1

Hmmm die Elektrogeräte standen noch in der anderen Ecke des Zimmers x)
Eine Woche vor Einzug – da dachten wir noch, das wäre viel Papiermüll … haha!
Unsere neuen, hübschen Wandfarben

In den letzten Wochen hat sich seither glücklicherweise schon sehr viel getan. Wir gewöhnen uns an das neue Leben im Grübentälchen und haben inzwischen einige Feststellungen machen können.

Learnings

Unsere neueste technische Errungenschaft nennt sich »Trockner«. Super Sache. Wie schnell man plötzlich Wäscheberge los wird! Der Wahnsinn!!
Offenbar haben wir es in unserem Trockner-Wahn etwas übertrieben, jedenfalls haben wir das Gerät nach zwei Wochen bereits geschrottet.

Die neue Nachbarschaft unterscheidet sich in ihrem Wesen grundlegend von der bisherigen. Die betrunkenen Partyleute und Fußballfans zu nächtlichen Stunden sind wir los – YES! Wir haben jetzt schreiende, trampelnde und Blockflöte übende Kinder um uns herum. Und den Nachbarn, der 24/7 RTL schaut. Vielleicht ist er auch ein Verschwörungstheoretiker, der sich das Soundlogo ununterbrochen anhört, weil er eine verschlüsselte Botschaft wittert. Wir haben schon mehrfach überlegt, an unserer Wohnzimmerwand eine Strichliste zu führen.

Für meine neue, gemütliche Leseecke mit Flauschteppich und Ohrensessel habe ich mir eine Straßenlaterne gekauft, um ein wenig Narnia-Magie aufkommen zu lassen. Unser Robo mochte sie leider nicht und hat sie einfach umgefahren und dabei zerstört. 😢 Die Ersatzlampe scheint ihm nun zu gefallen. Jubilate!

Dinge, die wir an unseren vorherigen Wohnungen nachträglich schätzen gelernt haben: Keine unmittelbaren Nachbarn, die ihren Rasen mähen.

Jeden Tag zwischen 17.30–18.00 Uhr hält der Eismann mit seinem Wagen in der Straße und klingelt alle Kinder aus den Häusern 🍦🍦🍦

Alles in allem sind wir wirklich happy in unserer neuen Bleibe. Gerade sitze/liege ich auf unserer wundervollen Couchecke und seit ein paar Tagen liegt darunter ein flauschiger Teppich [der Robo hasst ihn]. In Kürze werden auch noch ein hübscher Couchtisch, Vorhänge und Bilder den Raum gemütlicher machen.

Ich habe einen sehr sehr genialen und geräumigen Kleiderschrank, der sich über dreieinhalb Meter streckt und keine Wünsche offen lässt. Nur noch wenige Handgriffe fehlen und dann sind auch mein Arbeitszimmer und die Leseecke fertig eingerichtet.

Bad und Gäste-WC sind immer noch potthässlich – in der Regel versuchen wir uns nicht anmerken zu lassen, dass sie zu unserer Wohnung gehören. Aber hey, seit drei Wochen haben wir im Bad sogar einen Spiegel, Schränke und eine Duschwand, sodass man den Raum inzwischen tatsächlich gut nutzen kann 😂 Hmmm ein schöner Spiegel und eine ansehnliche Beleuchtung im Gäste-WC sollen in den nächsten Tagen folgen.

In diesem Sinne: Alles wird/ist gut.*

Ach: Und frohen Handtuchtag!**

 

 

* Wahlspruch meiner Professorin zu Zeiten meiner Bachelorarbeit.
** Handtücher werden im Trockner so schön flauschig!! 😍

Vom Leben und Leiden in einer Altbauwohnung

Als ich im Herbst 2014 von Wiesbaden nach Kaiserslautern umzog, habe ich mir eine richtig schöne Wohnung gegönnt. Sie war zwar ein ganzes Stück teurer als andere Wohnungen, doch im Vergleich zu den Mietpreisen in der hessischen Landeshauptstadt immer noch ein Schnapper.

Die Wohnung war in der Tat ein Schmuckstück: Ein denkmalgeschützes Haus mit toller Fassade, Altbau, Erstbezug nach Sanierung. Alles neu. Parkettboden, schöne Türen und Bodenleisten, indirekte Beleuchtung in allen Räumen, eine schöne Einbauküche. Das ganze Haus soll peu à peu komplett renoviert werden, im Treppenhaus hängen schon bald die ersten Kronleuchter. Als der Vermieter erfährt, dass ich Designerin bin, erkundigt er sich nach meiner Meinung zu seinen Farbgestaltungsplänen im Treppenhaus. Und gleich um’s Eck empfiehlt er ein Café mit der besten heißen Schokolade in der Gegend.

In den ersten Wochen gibt es noch die ein oder anderen Anfangsschwierigkeiten.

  • Der Siphon in der Küche ist undicht montiert, sodass der erste Spülmaschinengang unschöne Folgen hat. (Ich habe eine Spülmaschine!!)
  • Die Elektriker scheinen sich bei der Schaltung der Lichtschalter relativ wenig Gedanken gemacht zu haben. Mal sind die Lichtschalter innen oder außen, mal steht der rechte Schalter für »volle Deckenbeleuchtung« und mal für »ambiente Beleuchtung«, mal zeigt der aktive Schalter nach oben, mal nach unten.
  • Die Handwerker waren wohl auch etwas durcheinander, denn der Türspion ist falsch herum montiert. Man kann von außen hinein schauen, jedoch nicht von innen nach außen.
  • Das schöne Bad hat eine begehbare Dusche, die nur durch eine Glasscheibe den Duschbereich vom übrigen Raum trennt. Leider wurde eine zu kurze Glasscheibe bestellt und montiert, was dafür sorgt, dass ein Aufdrehen des Duschhahns unmittelbar zu einem nassen Badezimmer führt.

Ich schiebe das auf die Kinderkrankheiten einer frisch renovierten Wohnung.

Doch auch in den darauffolgenden Wochen scheinen die Probleme nicht nachzulassen. In den ersten sechs Monaten des Mietverhältnisses komme ich auf knapp 40 Minusstunden in meiner Kernarbeitszeit im Büro. Denn ich muss immer wieder morgens oder mittags Handwerker in die Wohnung lassen. Zum Glück wohne ich nur sieben Gehminuten zur Arbeit entfernt. Dennoch hoffe ich auf das Verständnis meines ersten Chefs, zumal ich noch in der Probezeit bin. Die Stunden hole ich abends auf, sodass ich eine ganze Weile erst spät Feierabend mache.

Schleichend treten auch die ersten »Klopper« auf, die mich entsetzt und sprachlos zurücklassen.

1

Klopper 1: Internet

Es dauert acht Wochen und zahlreiche Technikertermine bis ich in der frisch bezogenen Wohnung Internet habe. Schuld ist allerdings nicht Kabel Deutschland. Das Problem liegt daran, dass hinter der Kabelsteckdose in der Wand einfach kein Kabel verlegt ist.

2

Klopper 2: Küche ohne Wasser

Im Februar 2015 kommt beim Nachbarn ein Stockwerk unter mir Wasser aus der Decke, wenn bei mir Wasser in der Küchenspüle abläuft. Bis das Problem eine Woche später gelöst ist, kann ich meine Küche nicht verwenden. Ich wandere zu meinem Freund aus.

Weitere Vorfälle wie ein nasser Keller, eine schwankende Duschglaswand inkl. nasser und sich abblätternder Badtür, eine Mückenplage, diverse Probleme mit der tropfenden Gastherme oder die Tatsache, dass es drei Handwerkertermine erfordert, um einen Handtuchhalter aufzuhängen, führen allmählich zu etwas Frust.

Im April 2015 habe ich einen Beratungstermin in der Verbraucherzentrale. Der dortige Anwalt erklärt mir, dass ich keine Rechte habe und nur auf die Kulanz meines Vermieters setzen kann.

3

Klopper 3: Regen in der Küche

Nach ein paar Tagen Abwesenheit komme ich Ende November 2015 in meine Wohnung und finde die Küche überschwemmt vor. Die Decke ist undicht, die Handwerker schrauben meine Küchendecke auf und finden keine Ursache. Das Problem wird erst sechs Monate (!) später gelöst. In dieser Zeit habe ich durchgängig einen Eimer in der Küche stehen. Bei Regen sammelt sich dort tagsüber/nachts je nach Regenstärke mal 3 Liter oder auch mal 12 Liter an. Der Wischmopp wird fester Bestandteil meiner Küche. Ich weiß nie, ob ich das nächste Mal wieder zuerst wischen muss, wenn ich die Küche betrete. Hinzu kommt ein immerwährender feucht-schimmliger Geruch.
Auch in den nebenliegenden Zimmern zeichnet sich mit der Zeit eine Wasserspur an der Decke ab. Mir wird gesagt, ich solle die Sicherung herausnehmen und die Deckenbeleuchtung nicht mehr benutzen. Ich wandere zu meinem Freund aus.
Dummerweise schalte ich derweil wie empfohlen die Sicherung aus und merke erst bei meiner Rückkehr, dass die Küche am selben Schalter hing. Ich brauche einen ganzen Tag um geschmolzene und inzwischen geschimmelte Lebensmittel rückstandsfrei aus meinem Tiefkühlfach zu entfernen. Der Geruch ist übelkeitserregend.

Mein Puls ist inzwischen auf »kurz vor Hulk« über diese teure Wohnung, in der nichts funktioniert. Ich fasse mir ein Herz und spreche meinen Vermieter darauf an. Er ist sich der Ursache der Probleme sehr gewiss:

Die Wohnung ist einwandfrei. Am besten Sie ziehen aus, dann habe ich weniger Probleme.
Vermieter

Ab Mai 2016 ist die Wohnung wieder bewohnbar und in den kommenden Monaten ist es erstaunlich ruhig.

Im Dezember 2016 erhalte ich einen Anruf, dass laut Schornsteinfeger ein Lüftungsschacht in meine Badtür eingebaut werden müsste. Man wolle die Badtür vor Weihnachten abholen und sie mir nach einer Woche wieder zurückbringen. Großes Unverständnis bei den Handwerkern, dass ich nicht so lange auf meine Badtür verzichten kann. Anfang Januar 2017 schaffen sie es dann doch irgendwie, die Badtür morgens abzuholen und abends zurück zu bringen. Ein paar Monate später wird der Schornsteinfeger beim erneuten Besuch anmerken, dass er einen Lüftungsschlitz für die Küchentür, nicht für die Badtür, gewollt hatte. Ich warte seither auf den Anruf der Handwerker, die sich bei mir deswegen melden werden.

Etwa ab Herbst 2016 wird im Stockwerk unter mir grundlegend renoviert. Die Handwerker sind von Montag bis Samstag von früh morgens bis spät abends da und gönnen einem keine ruhige Minute. Unmittelbar unter mir werden Wände eingerissen, Balkone angebaut und weitere geräuschverursachende Dinge getan.

Fahrrad fahren ist leider auch nicht mehr möglich, da der Flur so vollgestellt ist, dass ich mit meinem Rad (das hintere an der Wand) nicht mehr durch komme.

4

Klopper 4: Einbruch Kellerabteil

Erstmals im Januar 2017 erwische ich die Handwerker zufällig dabei, wie sie gerade mein Kellerschloss abmontieren und sich Zugang zu meinem Kellerabteil verschaffen. Mein Entsetzen und meinen Ärger können sie nicht nachvollziehen: »Mussten dran! Ist Gasleitung drin. Wussten nicht, wem gehört der Keller.« Ja, man hätte aber mal nachfragen können.
Im Oktober 2017 gehe ich in den Keller und entdecke – ohne Handwerker in Sicht – Licht in meinem Abteil, die Tür offen, das Schloss abmontiert und auf einem Karton daneben trapiert.
Zu beiden Vorfällen gab es keinerlei Reaktion von meinem Vermieter. Ich bin mir recht sicher: Die Dunkelziffer der Einbrüche liegt wesentlich höher.

Heiztherme repariert!

Nachdem meine Gastherme seit Einzug ständig getropft hat und gerne mal ausgefallen ist, konnte im März 2017 nach neun Handwerkerbesuchen in zweieinhalb Jahren das Problem tatsächlich behoben werden. Hut ab!

Küchendecke repariert!

Die Handwerker scheinen im Flow zu sein. Am 15.09.2017 wird die Küchendecke verputzt, die von den Regenfällen von November 2015 bis Mai 2016 großen Schaden genommen hatte. Die Wasserflecken an der Esszimmerwand sind nun durch deutlich sichtbare Pinselbewegungen übertüncht.

Aber es geht weiter …

5

Klopper 5: On-Off-Internet

Im Zuge der Renovierungen des Stockwerkes unter mir klemmen mir die Handwerker von Mai bis Oktober 2017 ganze sieben Mal »versehentlich« das Internet ab, indem sie meinen Stecker ziehen.
Die ersten Male schalte ich noch Elektriker und Kabel Deutschland ein, um die Ursache zu bestimmen. Der Techniker von Kabel erklärt schließlich, seine Arbeitsleistung (= drauf gucken) eigentlich abrechnen zu müssen, da das Problem selbstverschuldet sei.

6

Klopper 6: Fahrrad weg

Im August 2017 freue ich mich ganz dolle, denn der Flur wurde soweit aufgeräumt, dass ich mit meinem Fahrrad wieder durchkomme. Einen Tag später ist das Fahrrad spurlos verschwunden. Ich kontaktiere meinen Vermieter, die Nachbarn, die Putzfrau, hänge Zettel auf, informiere mich über meine Hausratversicherung …
Am Abend steht das Fahrrad wieder da. Weil die Handwerker nicht wussten, wem das Fahrrad im Flur gehört, haben sie es einfach entfernt.
Während mein Vermieter im Vorfeld abstreitet, dass seine Handwerker damit irgendetwas zu tun haben, erzählt mir der Handwerker das nächste Mal lachend: »Hat Vermieter mich angerufen und gesagt: Was habt ihr gemacht mit Fahrrad von Friederike??«

7

Klopper 7: Videoüberwachungssystem

Ohne Rückfragen, Infoschreiben oder Einverständniserklärung ist der Hof plötzlich mit einem Videoüberwachungssystem ausgestattet. Immerhin kleben an Briefkasten und Eingangstür entsprechende Aufkleber, die darauf hinweisen. Mein Freund ist sich nach Google-Recherche relativ sicher, dass das rechtlich gar nicht geht.

Zwischenbilanz
Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende, weshalb ich dies zum Anlass nehme, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen. Die Vorfälle zwischen 2014 bis 2017 lassen sich grob in die folgende Kategorien einteilen. Auf der x-Achse wird die Anzahl der Vorfälle aufgezeigt.

Das Wohnen in der Riwastraße ist kein Zuckerschlecken. Trotzdem kann man sich nicht über zu wenig Abwechslung beschweren. Wie man der unten stehenden Grafik entnehmen kann, verändern sich die Vorfälle im Laufe der Zeit.

Während es anfangs noch viele kleine Reparaturtermine ab, traten gegen 2015/2016 vermehrt Wasserschäden auf. Im Jahr 2017 dagegen gab es einen radikalen Anstieg beim Ausfall des Internets. Die Klopper häuften sich 2015 und 2017.

Zu berücksichtigen ist allerdings der Faktor, dass ich mit zunehmender Mietdauer eine abnehmende Handlungsmotivation empfinde, meinen Vermieter auf Anliegen hinsichtlich der Wohnung das Herz auszuschütten.

Familie, Freunde und Kollegen fragen mich regelmäßig:

Wann kommst du endlich aus dieser Wohnung raus?
Jede Person

Und jetzt kommt’s:
In 60 Tagen!!!

Vor wenigen Wochen habe ich meine Altbauwohnung im Musikerviertel gekündigt (Eingangsbestätigung kam per WhatsApp). Denn ab 1. März 2018 beziehe ich mit meinem Lieblingsmenschen eine ganz wunderbare Wohnung am anderen Ende der Stadt. Die wichtigsten Fakten:

  • 35qm größer
  • 3 Balkone
  • Tageslichtbad
  • Tageslicht-Gäste-WC
  • 90% Renovierung (Laminat, Wände, …)
  • Gerade Wände und orthogonale Ecken (!!)
  • Weitgehend trockenes Kellerabteil
  • Nahe an Volkspark und Wald
  • Ruhige Lage
  • Inklusive Tageszeitansage aufgrund Kirchenglocken :]
  • Parkplätze ohne Parkschein und Limit

Das wird supi!

Bis dahin hoffe ich, dass keine weiteren Klopper auftreten. In einer traumhaften Wohnung darf man nämlich noch träumen.

PS: Die heiße Schokolade ist gar nicht so gut. Und der Ladenbesitzer ist etwas creepy.