Speedy Pi

Ich fahre nicht gerne Auto. Autos sind laut, machen Dreck, nehmen Platz weg und sind blöd zu mir, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin.

Bisher ging das auch alles soweit ganz gut ohne Auto. In Kaiserslautern kann ich meine üblichen Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad meistern. Und an meinen vorherigen Wohnorten konnte man sich darüber hinaus auf einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr verlassen.

In Mainz war es tatsächlich so, dass es hipp war, bewusst kein eigenes Auto zu haben. Ein Statement zu setzen! Dort gibt es so coole Aktionen wie den PARK(ing) Day, bei dem für einen Tag lang Parkplätze in der Innenstadt mit Rollrasen und Campingstühlen okkupiert werden, um aufzuzeigen, wie sich ein Stadtbild mit mehr Natur und weniger Autos zum Positiven wenden kann.

In Kaiserslautern dagegen ernte ich seit Jahren ungläubige Blicke, wenn zur Sprache kommt, dass ich kein Auto besitze. Das liegt wohl auch daran, dass es zunehmend kompliziert wird, wenn man die üblichen Fußwege verlässt. In meiner alten Wohnung, direkt im »Centrum« der Stadt, gab es für diese Situationen einen guten Hack: Direkt ums Eck gab es Autos von Stadtmobil, dem hiesigen Carsharing-Anbieter. Mit etwas Glück konnte man dort auf Wunsch einen smoothen Ford Focus, einen soweit akzeptablen Ford Fiesta oder einen sehr klapprigen, aber durchaus geräumigen Renault Kangoo ergattern und die Nutzungsdauer halbstündlich abrechnen lassen.

Soweit die Lage bis vor einem Jahr. Denn in der Gegend unserer neuen Wohnung gibt es weit und breit keine Stadtmobil-Wagen. Dafür gibt es mehr Regen. Jedenfalls fühlt es sich so an, denn oft genug bin ich – die inzwischen weiteren Strecken – im Regen heimgeradelt oder habe auf Kosten der Pünktlichkeit kurzfristig auf Laufen umgeschwenkt. Darüber hinaus nahmen meine Termine jenseits der Innenstadt zu und generell wurde alles kompliziert und frustrierend. Es fiel mir daher immer leichter, mich so langsam vom hippen Gedanken einer autofreien Zeit zu verabschieden und anzufangen mich auf eine Zeit mobiler Flexibilität zu freuen.

Die Autosuche konnte beginnen! Eines vorweg: Ich bin inzwischen stolzer Besitzer des schönsten und coolsten und tollsten Autos überhaupt …! Wie absurd für die Lautrer aber offenbar ein Mitbürger ohne Auto ist, wurde mir erst klar, als ich versuchte ohne Auto zur städtischen KFZ-Zulassungsstelle zu gelangen. Zu dieser Geschichte werde ich vielleicht irgendwann mal einen gesonderten Blogbeitrag verfassen.

Adoptiert habe ich meinen Wagen letztlich in einem Autohaus in Hessen, denn hier gab es irgendwie keine freundlichen Autohändler – ein Kapitel für sich. Unsere erste gemeinsame Fahrt zog sich also gleich über 100 km und ehrlich gesagt war es die reinste Horrorfahrt: Dunkel. Nass. Viele Spuren. Viele Autos. Fremde Strecke. Fremdes Auto. Und naja, wie gesagt fahre ich schon bei Sonnenschein ungern Auto.

Inzwischen haben wir uns ein bisschen eingefahren und aneinander gewöhnt. Wir ziehen mittlerweile gekonnt Parkscheine via Handy-Parking-Apps und finden das ein oder andere Ziel mehr oder weniger souverän auch ohne Navi. Der Berganfahrassistent ist ein Traum, solange man zeitgleich beim Beschleunigen nicht im Rückwärtsgang ist. Ich habe immer noch den Eindruck, dass ich dank der getönten Scheiben bei Nacht hintenraus einfach mal gar nichts sehe. Zum Trost dafür mache ich dann meine obercoole rote Innenbeleuchtung an und freue mich daran.

Mein Auto ist nämlich ein super cooler Seat Leon FR. Das FR steht für »Formula Racing« und jetzt flitzen wir gemeinsam über die Landstraßen. Als Aufpasser baumelt ein kleiner Totoro aus Plüsch am Rückspiegel. Ich fahre nämlich auch nicht gerne alleine Auto.

Umzug: Zwischenbilanz

Das Einzugsdatum in unsere neue Wohnung liegt inzwischen schon 13 Wochen zurück 😱 und die ganze Zeit scharre ich mit den Füßen und will einen Wir-sind-umgezogen-und-alles-ist-toll-Posting absetzen. Aber dann ist da immer noch so viel unfertig.

Vor wenigen Tagen haben wir wenigstens die letzte Kiste ausgeräumt und das muss nun als Anlass zu einem Zwischenstand reichen.

»Wo ziehen Sie denn hin? Nach Südamerika?«
Mein Chef

Zum Unverständnis von Chefs und Kollegen hatten wir uns für den Umzug zwei Wochen Urlaub genommen. Schließlich mussten wir insgesamt rund 140 qm ausräumen, einpacken, transportieren, wieder einräumen und dazwischen noch zwei Wohnungen übergabefertig machen und eine Wohnung einziehfertig vorbereiten.

Und weil ich immer das Gefühl habe mich rechtfertigen zu müssen, habe ich angefangen, ein paar Daten und Fakten zu sammeln, was wir in den letzten Wochen eigentlich alles gewuppt haben.

Vom Leben und Leiden in einer Altbauwohnung

Als ich im Herbst 2014 von Wiesbaden nach Kaiserslautern umzog, habe ich mir eine richtig schöne Wohnung gegönnt. Sie war zwar ein ganzes Stück teurer als andere Wohnungen, doch im Vergleich zu den Mietpreisen in der hessischen Landeshauptstadt immer noch ein Schnapper.

Die Wohnung war in der Tat ein Schmuckstück: Ein denkmalgeschützes Haus mit toller Fassade, Altbau, Erstbezug nach Sanierung. Alles neu. Parkettboden, schöne Türen und Bodenleisten, indirekte Beleuchtung in allen Räumen, eine schöne Einbauküche. Das ganze Haus soll peu à peu komplett renoviert werden, im Treppenhaus hängen schon bald die ersten Kronleuchter. Als der Vermieter erfährt, dass ich Designerin bin, erkundigt er sich nach meiner Meinung zu seinen Farbgestaltungsplänen im Treppenhaus. Und gleich um’s Eck empfiehlt er ein Café mit der besten heißen Schokolade in der Gegend.